27.01.2025 09:51:37
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Boeing-Krise bremst Ryanair noch stärker aus - Aktie legt dennoch zu
(Ausführliche Fassung)
DUBLIN (awp international) - Die Probleme des Flugzeugbauers Boeing durchkreuzen die Geschäftspläne des Billigfliegers Ryanair noch stärker als gedacht. Weil Boeing nicht genügend Flugzeuge liefern kann, dürfte die Zahl der Passagiere im kommenden Geschäftsjahr bis Ende März 2026 nur auf 206 Millionen wachsen, teilte die irische Fluglinie am Montag in Dublin mit. Bereits Anfang November hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary sein Ziel auf 210 Millionen Passagiere gekürzt. Zuletzt lief es für den Billigflieger jedoch besser als gedacht.
An der Börse kamen die Neuigkeiten daher gut an: Die Ryanair-Aktie gewann kurz nach Handelsbeginn im Dublin mehr als zwei Prozent auf 20,15 Euro. Laut dem Branchenexperten Alexander Irving vom Analysehaus Bernstein übertrafen Ryanairs Quartalsgewinn und das Gewinnziel die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.
Boeings Krise macht Ryanair seit Jahren zu schaffen. Anders als etwa die britische Konkurrentin Easyjet und die Lufthansa-Tochter Eurowings setzt Europas grösste Billigfluggesellschaft mit mehr als 600 Maschinen fast komplett auf die Boeing-Jets aus der 737-Reihe. Von der aktuellen Generation 737 Max hat sie hunderte Exemplare bestellt, darunter auch die Langversion 737-Max-10, die nach jahrelanger Verspätung noch immer keine Betriebszulassung hat.
Nach einem Beinahe-Unglück Anfang 2024 waren bei Boeing etliche Qualitätsmängel aufgetaucht. Seitdem steht der Hersteller unter strenger Aufsicht der US-Luftfahrtbehörde FAA und darf die Produktion der 737-Max-Reihe nicht weiter hochfahren. Zudem legte ein fast zweimonatiger Streik die Produktion im vergangenen Jahr lahm. Die fehlenden Jets führen bei vielen Airlines zu einem geringeren Flugangebot als geplant - und treiben damit die Ticketpreise nach oben.
Für das laufende Geschäftsjahr sieht O'Leary Ryanair allerdings auf Kurs, knapp 200 Millionen Passagiere zu befördern. Zuvor hatte er 198 bis 200 Millionen als Ziel ausgegeben. Dabei erwartet er nun einen Gewinnrückgang auf 1,55 bis 1,61 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Überschuss von 1,92 Milliarden Euro erzielt.
Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Dezember verdiente die Gesellschaft allerdings mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Fluggäste stieg um neun Prozent auf 44,9 Millionen. Der Umsatz sprang um zehn Prozent auf 2,96 Milliarden Euro nach oben. Der Überschuss legte von 15 Millionen auf 149 Millionen Euro zu.
"Wir arbeiten mit Boeing weiterhin daran, die Flugzeugauslieferungen zu beschleunigen", sagte O'Leary. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Ryanair die letzten 29 Maschinen aus einem Grossauftrag vor März 2026 erhält.
Mit der Zulassung der langen 737-Max-10 rechnet der Manager nun gegen Ende 2025. Die ersten 15 Jets dieser Variante sollten dann im Frühjahr an Ryanair ausgeliefert werden. Die Max-10 soll 228 Sitze haben und damit 31 mehr als die bisherigen 737-Max-Jets von Ryanair.
Dass die Langversion noch nicht zugelassen wurde, ist eine Spätfolge der Max-Krise aus den Jahren 2019 und 2020. Nach den Abstürzen zweier Flugzeuge der Reihe mit 346 Toten durften die Maschinen der 737-Max-Reihe damals 20 Monate lang nicht abheben. Erst nach technischen Nachbesserungen erteilten Behörden in aller Welt nach und nach wieder die Freigabe. Boeing hat sich von dieser Krise bis heute nicht erholt. Die Entwicklung neuer Flugzeugversionen verzögerte sich seither immer wieder.
Auch deshalb liebäugelte Ryanair-Chef O'Leary wiederholt damit, neue Maschinen beim weltgrössten Flugzeughersteller Airbus zu kaufen. Mit seiner Modellfamilie A320neo ist der europäische Hersteller dem einstigen Branchenprimus Boeing längst davongezogen. Dessen Produktion jedoch bis Ende des Jahrzehnts ausgebucht. Im Ryanair-Konzern ist bisher nur die österreichische Tochter Lauda mit Airbus-Maschinen unterwegs./stw/ngu/tih
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