| Studien-Rückschlag |
08.09.2026 17:47:00
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Novartis-Aktie fällt zweistellig: Del-desiran verfehlt Studienziel bei Muskelkrankheit - Milliarden an Börsenwert vernichtet
Novartis hat mit seinem Medikament Del-desiran in einer Phase-III-Studie zur Muskelkrankheit Myotone Dystrophie Typ 1 den primären Studienendpunkt nicht erreicht.
Wie es in einer Mitteilung vom Dienstag hiess, zeigte das Medikament jedoch in sekundären Endpunkten und ergänzenden Analysen Hinweise auf eine klinische Wirksamkeit.
Bei der Myotonen Dystrophie Typ 1 handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung der Muskeln und weiterer Organe, für die es bislang keine zugelassene Behandlung gibt. Del-desiran ist ein sogenanntes Antikörper-Oligonukleotid-Konjugat, das darauf ausgelegt ist, die Ursache der Krankheit auf molekularer Ebene zu bekämpfen.
Novartis will nun den vollständigen Datensatz der Studie auswerten und mit Gesundheitsbehörden besprechen, wie das Entwicklungsprogramm für Del-desiran weitergeführt werden soll. Der Pharmakonzern hält trotz des Rückschlags an seiner Umsatzwachstumsprognose von 5 bis 6 Prozent jährlich für den Zeitraum 2025 bis 2030 fest.
Parallel dazu schreitet die Entwicklung weiterer Medikamente aus derselben Wirkstoffklasse voran, wie das Unternehmen betont. Für Del-zota, das bei einer bestimmten Form von Duchenne-Muskeldystrophie eingesetzt werden soll, hat die US-Arzneimittelbehörde eine beschleunigte Prüfung eingeleitet. Für Del-brax, das gegen die Gliedergürtel-Gesichts-Muskeldystrophie entwickelt wird, plant Novartis ein Gespräch mit der US-Arzneimittelbehörde über die nächsten Schritte.
Novartis-Aktien fallen - Erneuter Studienrückschlag
Die Aktien von Novartis stürzen am Dienstag regelrecht ab. Der Pharmakonzern hat einen weiteren Studienrückschlag erlitten. Nachdem am Vortag bekannt wurde, dass der primäre Endpunkt für das Herzmittel Pelacarsen nicht erreicht wurde, verfehlte nun auch Del-desiran zur Behandlung der Muskelkrankheit Myotone Dystrophie Typ 1 das Hauptziel. Die bestätigte mittelfristige Umsatzguidance hilft da wenig.
Die Bank Vontobel spricht in einem ersten Kommentar von einem deutlichen Rückschlag für die Pipeline. Zwar würden die Schätzungen für die gemeinsamen Spitzenumsätze der anderen zwei von Avidity übernommenen Therapien nicht geändert. Allerdings hätten die heutigen Nachrichten das Vertrauen nicht gestärkt, so die Analysten. Zudem entfernen sie die für Del-desiran eingeplanten risiko-adjustierten Spitzenumsätze von 3 Milliarden Dollar (mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 50%) nun aus dem Modell. Das Kursziel reduzieren sie daher leicht auf 125 von 128 Franken.
Auch bei der ZKB sehen die Experten nach dem weiteren Misserfolg nun eine Belastung für das Vertrauen in die gesamt AOC-Franchise - auch wenn die anderen Programme klinisch bislang positiv verlaufen seien. Der Markt sei zudem zuversichtlich in den Des-desiran Read-out gegangen.
Die UBS sieht die Nachricht ebenfalls negativ. Die Harbor-Studie seien die ersten Phase-III-Daten für ein von Avidity übernommenes Asset gewesen. Die UBS hatte risiko-adjustierte Spitzenumsätze von 2 Milliarden Dollar (mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 55%) in ihrem Modell berücksichtigt.
Novartis verliert rund 24 Milliarden Franken an Börsenwert
Die Papiere des Pharmariesen Novartis steuern am Dienstag gemessen am vernichteten Börsenwert auf einen historischen Tagesverlust zu. Der zweite gewichtige Forschungsrückschlag innerhalb weniger Tage lässt die Aktien des Börsenschwergewichts zeitweise um mehr als 10 Prozent einbrechen.
Die Fallhöhe ist beträchtlich. Erst am 3. September waren die Aktien bis auf ein Rekordniveau von 132,68 Franken gestiegen.
Am Dienstag verloren die Titel an der SIX bis gegen 10.30 Uhr 10,2 Prozent auf 112,68 Franken. Das entsprach einem Kursverlust von 12,78 Franken je Aktie. Hochgerechnet waren damit rund 24 Milliarden Franken an Marktkapitalisierung verpufft und der Börsenwert des Pharmakonzerns auf etwa 215 Milliarden von rund 239 Milliarden Franken geschrumpft. Letztlich notierte die Aktie noch 10,89 Prozent tiefer bei 111,80 Franken.
Gemäss einer Auswertung der Nachrichtenagentur AWP würde der heutige Einbruch die bisherigen Negativrekorde deutlich übertreffen. Bei der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB im Januar 2015 gingen gut 17 Milliarden Franken an Börsenwert verloren, beim Corona-Crash im März 2020 waren es gut 16 Milliarden. Während der Finanzkrise im Oktober 2008 lag der grösste Tagesverlust dagegen "nur" bei rund 10 Milliarden Franken.
Novartis startet Phase-II-Studie mit Wirkstoff von Monte Rosa Therapeutics
Der Pharmakonzern Novartis hat eine Phase-II-Studie mit dem VAV1-gerichteten Molekülklebstoff-Degrader MRT-6160 (DDY391) gestartet. Dazu entrichten die Basler dem Kooperationspartner Monte Rosa Therapeutics eine Meilensteinzahlung über 50 Millionen US-Dollar.
Der Wirkstoff habe bereits in der Phase-I-Studie eine gute Verträglichkeit gezeigt, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag. Bei der Studie handelt es sich den Angaben nach um ein Phase-II-Programm über 52 Wochen. Dabei soll die Wirksamkeit, Sicherheit und Dosierung für eine mögliche Phase-III-Studie bestimmt werden.
Der Wirkstoff MRT-6160 soll bei Menschen mit Sjögren-Syndrom (SjD) eingestzt werden, der Mitteilung zufolge die zweithäufigste rheumatische Autoimmunerkrankung. Gemäss der Lizenzvereinbarung könnte Monte Rosa von Novartis bis zu 2,1 Milliarden Dollar an Entwicklungs-, Zulassungs- und Verkaufsmeilensteinzahlungen erhalten.
Basel / Zürich (awp)
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