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11.03.2026 23:11:00
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Vatikanbank legt eigene Aktienindizes auf: Neue Benchmarks nach katholischen Werten
Die Vatikanbank hat gemeinsam mit Morningstar zwei Aktienindizes nach katholischen Ethikprinzipien aufgelegt. Die Zusammensetzung der enthaltenen Unternehmen wirft Fragen auf.
• Die Indizes wurden in Zusammenarbeit mit dem Finanzdienstleister Morningstar entwickelt
• Beide Indizes umfassen jeweils 50 Unternehmen mit mittlerer und grosser Marktkapitalisierung
Zwei Indizes für katholische Anleger weltweit
Das Istituto per le Opere di Religione (IOR), besser bekannt als Vatikanbank, hat am 10. Februar 2026 zwei neue Aktien-Benchmarks vorgestellt. Wie aus der offiziellen Pressemitteilung des IOR hervorgeht, tragen die Indizes die Namen Morningstar IOR Eurozone Catholic Principles und Morningstar IOR US Catholic Principles. Entwickelt wurden sie in Zusammenarbeit mit dem US-Finanzdienstleister Morningstar und sollen künftig als Referenzpunkt für katholische Investoren weltweit dienen.
Beide Indizes umfassen jeweils 50 Unternehmen mit mittlerer und grosser Marktkapitalisierung. Die Gewichtung erfolgt nach Börsenwert, wie es bei klassischen Aktienindizes üblich ist. Laut IOR durchlaufen alle enthaltenen Unternehmen einen regelbasierten Filterprozess, der auf den Anlagerichtlinien des Instituts basiert und sich an der katholischen Soziallehre orientiert. Ausgeschlossen werden demnach Geschäftsfelder, die den kirchlichen Vorstellungen zu Lebensschutz, sozialer Verantwortung und Umweltschutz widersprechen. Giovanni Boscia, stellvertretender Generaldirektor und Leiter der Vermögensverwaltung des IOR, erklärte in der Pressemitteilung, die neuen Indizes seien ein weiterer Schritt in einem Prozess, der das Institut seit Jahren dazu bringe, internationale Finanzstandards bei gleichzeitiger strikter Einhaltung kirchlicher Prinzipien zu übernehmen. Robert Edwards, Managing Director bei Morningstar Indexes, betonte die Nachfrage nach wertebasierten Benchmarks und verwies auf den transparenten, regelbasierten Ansatz, der die Standards des Kunden konsequent und objektiv umsetze.
Tech-Giganten im katholischen Portfolio
Ein Blick auf die Zusammensetzung der Indizes zeigt, dass die Vatikanbank keineswegs nur auf konservative Branchen setzt. Laut den von Morningstar zum Start am 10. Februar 2026 veröffentlichten Factsheets zählen im US-Index Meta Platforms und Amazon zu den grössten Positionen. Ebenfalls vertreten sind NVIDIA, Tesla, Apple, JPMorgan, Broadcom, Visa, Micron und Alphabet. Im Eurozone-Index führen der niederländische Halbleiterzulieferer ASML und die Deutsche Telekom die Gewichtung an, gefolgt von SAP, Allianz, UniCredit und der Luxusmarke Hermès.
Rein ökonomisch betrachtet profitieren die Indizes von der starken Gewichtung dieser Technologie- und Wachstumsunternehmen. Rückrechnungen über einen Zeitraum von zehn Jahren ergaben für den US-Index eine jährliche Rendite von rund 18 Prozent, während der Eurozone-Index auf etwa 10,2 Prozent pro Jahr kam. Gleichzeitig wirft genau diese Zusammensetzung Fragen auf: Wie das auf Vatikan-Berichterstattung spezialisierte Portal The Pillar in einer Analyse vom 10. Februar 2026 aufzeigt, bieten 8 von 10 der grössten US-Index-Positionen ihren Mitarbeitern Reisekostenerstattungen für Abtreibungen an, und sämtliche Top-10-Unternehmen gewähren Leistungen zur In-vitro-Fertilisation oder zum Einfrieren von Eizellen. Das IOR betont in seiner Pressemitteilung, dass die Zusammensetzung vierteljährlich überprüft und bei bedeutenden Ereignissen sofort angepasst werde. Dabei würden mehr als 200 Datenpunkte pro Unternehmen ausgewertet.
Konkurrenz in einem wachsenden Marktsegment
Die Initiative des IOR fällt in eine Phase, in der wertebasiertes Investieren zunehmend an Bedeutung gewinnt, klassische ESG-Fonds aber gleichzeitig mit erheblichen Mittelabflüssen zu kämpfen haben. Wie Euronews in einem Bericht vom 10. Februar 2026 einordnet, betreten die neuen Vatikan-Indizes kein unbestelltes Feld. Bereits seit 2015 existiert der S&P 500 Catholic Values Index, der von S&P Dow Jones Indices in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Bischofskonferenz entwickelt wurde und als Grundlage für einen ETF mit einem verwalteten Vermögen von über einer Milliarde US-Dollar dient. Darüber hinaus verwalten die Ave Maria Mutual Funds, die ebenfalls einer katholisch geprägten Anlagestrategie folgen, nach eigenen Angaben rund 3,8 Milliarden US-Dollar.
Der methodische Unterschied liegt im Ansatz: Während der S&P 500 Catholic Values Index aus dem bestehenden S&P 500 heraus Unternehmen ausschliesst, die den Kriterien der Bischofskonferenz widersprechen, wählen die IOR-Indizes Unternehmen direkt nach eigenen ethischen Parametern aus. Das IOR bedient als einzige zur professionellen Finanzdienstleistung zugelassene Institution des Vatikanstaats mehr als 12'000 Kunden in über 110 Ländern, darunter Diözesen, Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen. Die neuen Benchmarks könnten künftig auch als Grundlage für börsengehandelte Indexfonds dienen, was den Zugang für katholische Privatanleger deutlich erleichtern würde.
D. Maier / Redaktion finanzen.ch
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