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Energie im Fokus 14.05.2026 23:20:00

Weg von NVIDIA-, Micron-Aktie & Co: Infrastrukturanbieter als neue KI-Gewinner?

Weg von NVIDIA-, Micron-Aktie & Co: Infrastrukturanbieter als neue KI-Gewinner?

Der KI-Boom hat an den Börsen bislang vor allem die Chip-Branche nach oben getragen. Doch zunehmend rückt nun die erforderliche Infrastruktur in den Fokus.

• KI-Infrastruktur rückt zunehmend in den Anlegerfokus
• Rechenzentren haben enormen Energiehunger
• Experten sehen Energie als Flaschenhals, aber auch als Investmentchance

Im Zuge des Hypes rund um künstliche Intelligenz standen bisher Unternehmen wie NVIDIA oder Micron stellvertretend für den rasanten Ausbau von Rechenleistung. Doch inzwischen richtet sich der Blick vieler Investoren auf eine andere Ebene der Wertschöpfungskette: die physische Infrastruktur hinter der künstlichen Intelligenz. Mehrere aktuelle Analysen und Marktberichte deuten darauf hin, dass Stromversorgung, Rechenzentren, Netzinfrastruktur und Energietechnik zunehmend in den Mittelpunkt des Investitionszyklus rücken.

KI-Infrastruktur wird zum Milliardenmarkt

Nach Angaben des Investmenthauses Acquinox Capital steuern die grossen Hyperscaler und Cloud-Konzerne auf historische Investitionssummen zu. So könnten Amazon, Microsoft, Google und Meta allein im Jahr 2026 rund 400 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Einschliesslich Oracle werde ein Gesamtvolumen von nahezu 600 Milliarden US-Dollar erwartet.

Acquinox beschreibt die Entwicklung als "Goldrausch der Dateninfrastruktur". Im Mittelpunkt stehe nicht mehr allein Software, sondern die physische Grundlage für KI-Anwendungen: Stromversorgung, Rechenzentren, Netzanschlüsse und spezialisierte Hardware.

Barclays sieht Chancen bei Energie- und Turbinentechnik

Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt auch Barclays. Wie Investing.com unter Berufung auf die Investmentbank berichtet, könnten die jährlichen Ausgaben westlicher Hyperscaler und KI-Labore für KI-Infrastruktur die Marke von einer Billion US-Dollar überschreiten und damit deutlich über den bisherigen Konsensschätzungen liegen. Angesichts dessen sehen die Barclays-Analysten nicht primär klassische KI-Aktien als Profiteure, sondern Unternehmen aus dem Bereich Energie- und Kraftwerkstechnik.

Laut Investing.com nennt Barclays unter anderem Caterpillar, GE Vernova, Cummins, Baker Hughes, Bloom Energy und Generac als mögliche Gewinner des Infrastrukturzyklus. Der gemeinsame Nenner: Diese Unternehmen liefern Turbinen, Stromaggregate, Steuerungssysteme oder Komponenten für die Energieversorgung grosser Rechenzentren.

Die Investmentbank verweist in diesem Zusammenhang auf den stark steigenden Energiebedarf von KI-Anwendungen. Der Ausbau von Rechenzentren erfordere enorme zusätzliche Stromkapazitäten, wodurch Anbieter von Gas- und Energietechnik profitieren könnten.

Stromnetze rücken in den Fokus

Dass der KI-Boom zunehmend zu einer Infrastrukturfrage wird, betont auch Sascha Hasterok von Wellington Management im Gespräch mit DAS INVESTMENT. Dort heisst es, nicht Rechenzentren selbst, sondern Stromnetze seien das eigentliche Rückgrat der KI-Wirtschaft.

Hasterok verweist dabei auf die Belastungsgrenzen bestehender Netze. Der Ausbau digitaler Infrastruktur könne nur funktionieren, wenn gleichzeitig massiv in Stromversorgung und Netzkapazitäten investiert werde. Daraus entstehe aus seiner Sicht eine neue Investmentchance im Infrastruktursektor.

Die Argumentation deckt sich mit den Beobachtungen von Acquinox Capital. Auch dort wird die Stromversorgung als "entscheidender Flaschenhals" bezeichnet. Der Engpass liege nicht allein bei Chips oder Rechenzentren, sondern zunehmend bei Energie und Netzanschlüssen. Denn Rechenzentren in den USA würden bis Ende 2025 rund 22 Prozent mehr Strom aus dem Netz benötigen als ein Jahr zuvor. Bis 2030 könnte sich der Bedarf nahezu verdreifachen.

Der Markt verschiebt sich entlang der Wertschöpfungskette

Der bisherige KI-Boom konzentrierte sich an der Börse vor allem auf Hersteller von GPUs, Speicherchips und Hochleistungsprozessoren. Doch die aktuellen Analysen zeigen eine mögliche Verschiebung innerhalb der Wertschöpfungskette.

Während NVIDIA, AMD oder Micron direkt von der Nachfrage nach KI-Hardware profitieren, rücken nun Unternehmen in den Vordergrund, die die notwendige Infrastruktur bereitstellen. "Wer die physikalische Ebene kontrolliert, kontrolliert die Wertschöpfungskette", argumentiert Acquinox.

Risiken bleiben bestehen

Bei allem Optimismus weisen die Experten aber auch auf Risiken hin. So verweist Acquinox auf mögliche lokale Überlastungen von Stromnetzen, hohe Finanzierungskosten sowie die Abhängigkeit kleinerer Infrastrukturbetreiber von einzelnen Grosskunden. Zudem könnten technologische Veränderungen bestehende Investitionen schneller entwerten als erwartet.

Auch Barclays konzentriert sich stark auf einen anhaltenden Investitionsboom der Hyperscaler. Sollte sich das Wachstum bei KI-Ausgaben abschwächen, könnten sich die Erwartungen an Infrastrukturwerte entsprechend relativieren.

Was bedeutet das für Privatanleger?

Für Privatanleger deutet sich damit eine mögliche zweite Phase des KI-Investitionszyklus an. Während die erste Welle stark von Chipwerten geprägt war, könnte sich der Fokus zunehmend auf Infrastruktur verschieben.

Das bedeutet nicht automatisch das Ende der grossen Halbleitergewinner. Allerdings ist der Ausbau künstlicher Intelligenz längst nicht mehr nur ein Software- oder Chipthema. Auch Energieversorgung, Netzkapazitäten und Rechenzentren werden zu zentralen Faktoren.

Anleger können deshalb prüfen, ob ihr Depot bislang zu stark auf einzelne KI-Hardwaretitel konzentriert ist. Infrastrukturwerte aus den Bereichen Energieversorgung, Stromnetze, Turbinentechnik oder Rechenzentren könnten künftig stärker vom langfristigen Ausbau der KI-Ökonomie profitieren.

Entscheidend ist dabei die Frage, welche Unternehmen dauerhaft Zugang zu Strom, Netzkapazitäten und Finanzierung sichern können. Genau dort sehen die genannten Experten strategisch wichtige Engpässe - und damit potenziell auch die nächsten Gewinner des KI-Booms.

Thomas Zoller, Redaktion finanzen.ch

Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquelle: Deemerwha studio / Shutterstock.com,Den Rise / Shutterstock.com
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