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Die goldene Stunde 12.10.2023 15:39:45

«Unstete Zeiten befeuern den Bedarf nach langfristig stabilen Anlagen»

Kolumne

Der Wahlkampf zu den nationalen Wahlen vom 22. Oktober ist in vollem Gange. Als Geschäftsführer von philoro habe ich die anstehenden Wahlen zum Anlass genommen, den grossen Parteien zum Thema «Gold» auf den Zahn zu fühlen. Erfahren Sie, was verschiedene National- und Ständeratskandidatinnen und -kandidaten zum Goldstandard, zum Umgang mit den Goldreserven der Schweizer Nationalbank und zur Causa Credit Suisse zu sagen haben.

Mein erster Interview-Partner ist Gerhard Andrey, Ständeratskandidat (Freiburg) der GRÜNEN.

Christian Brenner: Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges steht die Wirtschaft im Zuge der Energiekrise und der Inflation vor grossen Herausforderungen. Auch die Folgen der Corona-Pandemie sind noch nicht vollends ausgestanden. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?

Gerhard Andrey: Die Schweizer Wirtschaft ist nach wie vor robust. Die grössten Herausforderungen für die Wirtschaft sind der in vielen Branchen akute Fachkräftemangel sowie der erodierende Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Für uns GRÜNE hat darum Priorität, dass die Schweiz ihr Verhältnis zur Europäischen Union mit einem neuen Abkommen rasch verbessert.

«Der Goldstandard ist nicht geeignet, um die aktuellen und zukünftigen Probleme der internationalen Währungssysteme zu lösen.»

Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Schweizer Wirtschaft einigermassen robust. Dies führt allerdings zu einem starken Franken. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen des starken Frankens auf die exportorientierten Unternehmen?

Der starke Franken ist für exportorientierte Unternehmen seit Jahren eine Herausforderung. Umso wichtiger ist es, dass die Schweizer Wirtschaft weiterhin innovativ bleibt und gute Rahmenbedingungen vorfindet. Auch hierfür ist der uneingeschränkte Zugang zum europäischen Binnenmarkt sowie die Behebung des Fachkräftemangels prioritär.

Was halten Sie von der Annahme zahlreicher Verfechter eines Goldstandards, dass es unter einem mit Gold gedeckten Währungssystem mehr Planungssicherheit (über langfristige Zeiträume hinaus) gäbe und die ungezügelte Geldmengenausweitung nicht mehr möglich wäre?

Der Goldstandard ist ein System aus der Vergangenheit. Er ist nicht geeignet, um die aktuellen und zukünftigen Probleme der internationalen Währungssysteme zu lösen.

Welche Rolle könnte Ihrer Meinung nach Gold in einer modernen Wirtschafts- und Finanzwelt spielen?

Damit Gold - und andere Edelmetalle - eine positive Rolle in unserer Wirtschaft und Gesellschaft spielen, muss zweifelsfrei sichergestellt werden, dass bei der Herstellung, der Verarbeitung und beim Transport keine sozialen und ökologischen Standards verletzt werden. Das würde auch das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in die Edelmetalle stärken - doch leider sind wir heute noch nicht so weit.

Ständerats-Kandidat Gerhard Andrey von den GRÜNEN hat sich den Fragen von philoro-CEO Christian Brenner gestellt.

Viele Leute flüchten angesichts der aktuellen Inflation in Sachwerte wie Gold. Können Sie dieses Verhalten nachvollziehen?

Die Teuerung in der Schweiz liegt aktuell deutlich unter 2 Prozent. Die Schweiz ist glücklicherweise also weit weg von den hohen Teuerungsraten, mit denen andere Länder aktuell zu kämpfen haben.

Gold ist in der Schweiz gemäss der letzten Edelmetallstudie von philoro und der Universität St. Gallen (HSG) die beliebteste Anlageform, also noch beliebter als Immobilien oder Aktien. Was denken Sie, warum ist Gold hierzulande so beliebt?

Gold wird seit Jahrhunderten ein spezieller Wert beigemessen. Das ist wohl ein wesentlicher Grund für die nicht nachlassende Attraktivität des Edelmetalls. Unstete Zeiten befeuern wohl den Bedarf nach langfristig stabilen Anlagen zusätzlich.

Haben Sie selber schon mal in Gold investiert? Falls Ja, warum?

Nein.

Welcher Stellenwert hat für Sie Bargeld? Nutzen Sie mehrheitlich Bargeld oder bevorzugen Sie alternative Zahlungsmittel?

Ich verwende nur noch selten Bargeld. Hingegen wäre ich froh, ein bargeldähnliches digitales Zahlungsmittel verwenden zu können, insbesondere für kleine Beträge. Dass mit jeder auch noch so kleinen Zahlung derzeit eine Datenspur hinterlassen wird, finde ich stossend. Deshalb sind Ideen wie der GNU-Taler, welche genau dies nicht tun, spannend und zu verfolgen.

«Gold wird seit Jahrhunderten ein spezieller Wert beigemessen.»

Die Schweizer Nationalbank (SNB) verfügte per März 2023 über 1040 Tonnen Gold. Die Schweiz nahm damit Platz 8 im Länder-Ranking ein. Viele Nationalbanken vor allem der Schwellenländer stockten ihre Goldreserven in letzter Zeit massiv auf. Soll aus Ihrer Sicht auch die SNB die Goldreserven aufstocken?

Die wichtigere Frage ist, wie die Nationalbank ihre Gelder anlegt - aktuell leider noch immer viel zu stark auch in fossilen Rohstoffen. Als GRÜNER setze ich mich dafür ein, dass die Nationalbank endlich auf eine soziale, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Anlagestrategie umstellt.

Um der Inflation entgegenzuwirken, musste die SNB seit September 2022 den Leitzins massiv erhöhen. Wie beurteilen Sie das Vorgehen der SNB? Ist die aktuelle Teuerungs-Welle ausgestanden?

Die Teuerung ist in den letzten Monaten gesunken. Das gibt Anlass zu Optimismus, dass die Schweizer Teuerung ihren Höhepunkt bereits hinter sich hat.

Mit der Begründung, den Finanz- und Werkplatz Schweiz vor weitreichenden Konsequenzen zu schützen, hat der Bundesrat im März dieses Jahres darauf hingewirkt, dass die Credit Suisse von der UBS übernommen wurde. Wie steht Ihre Partei zu dieser Mega-Fusion?

Dass enormer volkswirtschaftlicher Schaden durch den Bundesrat abgewendet wurde, finden die GRÜNEN richtig. Die GRÜNEN haben die staatliche abgesicherte Fusion im Parlament jedoch abgelehnt, da sie an keinerlei regulatorische Bedingungen geknüpft war. Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sind bei dieser Bankenrettung mit 259 Milliarden Franken ins Risiko gegangen. Die UBS hingegen konnte praktisch risikolos den Deal des Jahrhunderts vollziehen - inklusive aller zukünftiger Gewinne.

Was erhofft sich Ihre Partei von der eingesetzten parlamentarischen Untersuchungs-kommission (PUK) zur Klärung der Causa Credit Suisse?

Neben der Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten - gab es wirklich keine besseren Alternativen? Hätte der Bundesrat früher reagieren müssen? - erhoffen wir uns v.a. Ansätze für eine bessere zukünftige Bankenregulierung. Für uns GRÜNE ist klar, dass die Auflagen an systemrelevante Banken massiv erhöht werden müssen. Es braucht z.B. die Einführung eines Trennbankensystem, die Erhöhung von Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften, eine Abgeltung der Staatsgarantie sowie strenge Sanktionsmöglichkeiten der Finanzmarktaufsicht gegen fehlbare Banken und Bankmanager.

Zum Autor

Christian Brenner, Geschäftsführer philoro SCHWEIZ AG
Christian Brenner hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und ist seit 2017 Geschäftsführer des inhabergeführten Familienunternehmens philoro sowie Verwaltungsrat der philoro Global Trading, der philoro North America und der philoro International Holding. Zuvor hatte er 2011 bis 2019 als Geschäftsführer der philoro EDELMETALLE GmbH in Deutschland agiert. Er ist zudem als Gastdozent an der Universität St. Gallen (HSG) tätig und Mitglied mehrerer Handelsausschüsse der IHK.


Bildquelle: Philoro

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