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Überraschender Schritt 16.06.2022 16:13:53

SNB leitet Zinswende ein und hebt überraschend Leitzins an - Reaktion auf Belastungsfaktoren

SNB leitet Zinswende ein und hebt überraschend Leitzins an - Reaktion auf Belastungsfaktoren

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt etwas überraschend den Leitzins deutlich an.

Die Notenbank erhöht den sogenannten SNB-Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf -0,25 Prozent. Damit wollen die Währungshüter dem inflationären Druck entgegenwirken, erklärte die SNB am Donnerstag. Es sei weiter nicht auszuschliessen, dass in absehbarer Zukunft weitere Zinserhöhungen nötig werden. Die straffere Geldpolitik soll verhindern, dass die Inflation in der Schweiz breiter auf Waren und Dienstleistungen übergreift.

Die Notenbank betonte ausserdem ihre Absicht, bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt zu intervenieren. Die SNB hatte 2021 für 21,1 Milliarden Franken Fremdwährungen gekauft.

Gleichzeitig passt die Nationalbank per 1. Juli 2022 den Freibetragsfaktor an, der zur Berechnung der vom Negativzins befreiten Sichtguthaben der Banken bei der SNB dient. Er wird von 30 auf 28 gesenkt.

Erster Zinsschritt seit sieben Jahren

Damit hat die SNB erstmals seit fünfzehn Jahren die Zinsschraube wieder etwas angezogen. Im Januar 2015 hatte sie den Leitzins gleichzeitig mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses auf das rekordtiefe Niveau von -0,75 Prozent gesenkt.

Negativzinsen hatte die SNB am 18. Dezember 2014 eingeführt, indem sie Guthaben auf ihren Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag überstiegen, mit einem Zins in Höhe von -0,25 Prozent belastete.

Vorreiter US-Notenbank

Am Vorabend hatte die US-Notenbank Fed zum dritten Mal seit Beginn der Coronavirus-Pandemie den Leitzins erhöht. Durch die Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte liegt er nun bei einer Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wiederum will erst im Juli ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben. Diese wäre dann die erste Erhöhung seit über einem Jahrzehnt.

SNB-Maechler verweist auf stark gestiegene Unsicherheit an den Märkten

Die SNB hat mit ihrer aktuellen Zinserhöhung auf eine Vielzahl von Belastungsfaktoren reagiert. Wie Andréa Maechler, Mitglied des SNB-Direktoriums, am Donnerstag gemäss Redetext an der Medienkonferenz zur geldpolitischen Lage erklärte, ist die Unsicherheit wegen zahlreicher Belastungsfaktoren zuletzt gestiegen.

"An den Finanzmärkten ist die Volatilität seit Anfang Jahr wieder deutlich angestiegen", so Maechler. Der starke Anstieg der Inflation im Ausland und die damit verbundenen Erwartungen einer rascheren Straffung der Geldpolitik - insbesondere in den USA - hätten diese deutlich angetrieben. Die US-Notenbank habe ihren Leitzins denn bereits auch mehrmals erhöht und weitere Schritte in Aussicht gestellt.

Aber auch der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen haben laut Maechler die bestehenden Lieferkettenprobleme verschärft und zu Preissprüngen bei Energie und Rohwaren geführt. "Diese Entwicklungen haben die Wachstumserwartungen belastet und die Unsicherheit an den Finanzmärkten erhöht."

Starker Auftrieb bei Anleihen-Renditen

Der geldpolitische Richtungswechsel habe sich vor allem auf die Märkte für Staatsanleihen ausgewirkt. In den USA seien die nominalen Renditen 10-jähriger Staatsanleihen klar gestiegen, vor allem aber kürzere Laufzeiten seien von dieser Neubewertung besonders stark betroffen. Dies habe die Renditedifferenzen zwischen langen und kurzen Laufzeiten reduziert. "Eine solche Verflachung der Zinskurven ist typisch für eine Periode steigender Inflations- und Zinserwartungen." Auch in der Schweiz und im Euroraum speziell in Deutschland seien die Renditen der Staatsanleihen klar gestiegen.

Die Erwartung einer geldpolitischen Straffung habe auch die Aktienmärkte und Devisenmärkte in den vergangenen Monaten beeinflusst.

Senkung des Freibetrags angebracht

Gleichzeitig erklärt Maechler, dass die SNB mit der Senkung des Freibetragsfaktors von 30 auf 28 sicherstelle, dass genügend Sichtguthaben dem Negativzins unterliegen und dieser sich wie gewünscht auf den Geldmarkt übertrage.

"Ab März 2022 entstand Aufwärtsdruck auf die kurzfristigen Zinssätze am besicherten Geldmarkt", so das Direktoriums-Mitglied weiter. "Dies lag daran, dass die Freibeträge aufgrund der dynamischen Freibetragsberechnung über die Zeit angestiegen waren, womit nicht mehr genügend Sichtguthaben dem Negativzins unterlagen."

Die Senkung des Freibetragsfaktors sei angebracht, hält Maechler fest. Dieser Schritt führe dazu, dass die kurzfristigen besicherten Geldmarktzinsen wieder ohne regelmässige, grössere Liquiditätszuführung durch die SNB nahe am SNB-Leitzins liegen werden.

So reagieren Ökonomen und Analysten auf den Zinsentscheid

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Leitzins überraschend deutlich angehoben. Die Notenbank erhöht den sogenannten SNB-Leitzins um 0,50 Prozentpunkte auf -0,25 Prozent, wie sie am Donnerstag mitteilte. Damit wollen die Währungshüter dem inflationären Druck entgegenwirken. Ihre Inflationsprognosen hat die SNB ebenfalls angehoben. Hier die ersten (Kurz)-Einschätzungen von Ökonomen und Analysten:

Raiffeisen, Alexander Koch: Die SNB hat sich im Umfeld eines sich immer schneller drehenden Normalisierungskarussells der anderen Notenbanken dann doch selbst ebenfalls früher aus der Deckung gewagt. Mit einer Leitzinsanhebung um 50 Basispunkte hat sie den Zinsabstand zur EZB nicht nur verringert, sondern sogar umgekehrt. Dies hat EUR/CHF natürlich nach unten gedrückt, aber nicht wirklich sehr stark. Grund dafür sind sicherlich die bereits vorangekündigten Zinsanhebungen der EZB für die kommenden Monate, sowie dass ein präventiver SNB-Schritt teilweise bereits an den Zinsmärkten eingepreist war. Die Zinserhöhung der SNB hat aufgrund des relativ wesentlich entspannteren Inflationsausblicks für die Schweiz einen eindeutig präventiveren Charakter als in den anderen Währungsräumen. Die neue mittelfristige Inflationsprojektion der SNB bleibt mit 1.6% auch unverändert innerhalb des Zielbandes von 0 bis 2%. Damit sind weitere Zinserhöhungen nach Einschätzung des Direktoriums nicht auszuschliessen, sind aber eben nicht wie bei der Fed oder der EZB unbedingt vorgezeichnet. Trotz des forschen Starts der SNB sollte damit insgesamt unverändert eine weniger weitgehende Zinsnormalisierung bevorstehen als andernorts.

GKB, Adrian Schneider: Mit der bevorstehenden Zinserhöhung der EZB geht auch in der Schweiz die Ära der Negativzinsen zu Ende. Die SNB strafft die Geldpolitik um dem inflationären Druck entgegen zu wirken. In Bezug auf den weiteren Erhöhungspfad steht die SNB unserer Meinung nach wenig unter Druck. Wir erwarten im Herbst und im Dezember weitere Zinsschritte seitens SNB. Fürs 2022 rechnen wir in der Schweiz mit einem weiteren Anstieg der Leitzinsen um insgesamt 50 Basispunkte. Der Schweizer Konjunkturmotor läuft allen Unkenrufen zum Trotz bis anhin hochtourig. Wichtige Vorlaufindikatoren legen für das Jahr 2023 mittlerweile aber eine spürbare Konjunkturabkühlung nahe. Ein markanter Einbruch zeichnet sich in der Schweiz indes nicht ab. Selbst der Krieg in der Ukraine hat die hiesige Wirtschaftsaktivität wenig belastet. Auf globaler Ebene haben die Wirtschaftsrisiken jüngst aber deutlich zugenommen. In der Schweiz befindet sich die Inflation im Vergleich zum Euroraum nur leicht über der Zielmarke von 2%. Die SNB wird allerdings die Zinsdifferenz zum Euroraum im Auge behalten. Ein zu starkes Ansteigen der Zinsdifferenz schwächt den CHF. Die Erhöhung der Inflationsprognose für 2022 (von 2.1% auf 2.8%) reiht sich in die Massnahmen etlicher westlicher Notenbanken ein und kommt wenig überraschend. 

VP Bank, Thomas Gitzel: Die SNB erhöht heute überraschend deutlich den Leitzins um 50 Basispunkte. Um Inflationsgefahren zu begegnen bedarf es eines klaren Handelns. Das ist gut so. Die Gnadenfrist für die Negativzinsen läuft ab. Die SNB behält sich trotz der Zinserhöhung Interventionen am Devisenmarkt vor. Glückwunsch, SNB. Die Zinserhöhung ist die richtige Entscheidung. Auch wenn die eidgenössischen Währungshüter sich einer im internationalen Vergleich geringen Teuerungsrate von zuletzt 2.9% gegenübersahen, der Negativzins von 0.75% passte dazu trotzdem nicht. Es ist deshalb richtig, dass die SNB heute ein deutliches Zeichen setzte. Je schneller es mit den Leitzinsen nach oben geht, desto besser sind Inflationsgefahren unter Kontrolle zu bringen. Bereits zum Jahresende wird in der Schweiz ein klares positives Zinsniveau zu verzeichnen sein. Auch dass die SNB vor der EZB reagiert ist richtig. Die SNB hat sich damit emanzipiert. Dies macht aber einmal mehr deutlich, wie sehr die EZB im Hintertreffen ist. Die europäischen Währungshüter fahren derzeit im Bummelzug weiter und riskieren damit die Glaubwürdigkeit ihre Geldpolitik.

Bantleon Bank, Jörg Angelé: Mit dem heutigen Schritt demonstriert die SNB zum einen, dass sie die zuletzt gestiegenen Inflationsrisiken ernst nimmt und zum anderen, dass sie unabhängig von der EZB handelt. Wobei ihr die von dieser in Aussicht gestellten Leitzinsanhebungen im Juli und September die Entscheidung sicher erleichtert hat. So liegt der Leitzins in der Schweiz nun erstmals seit 1999 über dem der Eurozone. Die SNB nimmt mit ihrem Überraschungscoup - keiner der 20 von Bloomberg im Vorfeld befragten Analysten hatte diesen Zinsschritt erwartet, nur einer rechnete mit einer Anhebung um 0,25 Bp - Aufwertungsdruck auf den Franken in Kauf. Die Tatsache, dass die eigene Währung nicht mehr als hoch bewertet charakterisiert wird, deutet aber an, dass eine gewisse Frankenstärke zur Eindämmung der Inflation durchaus erwünscht ist. Gleichzeitig hält sich die Notenbank aber alle Optionen offen, eine zu starke Aufwertung mittels Devisenmarktinterventionen zu unterbinden. Sie wird insbesondere alles daran setzen, ein Unterschreiten der Parität von EUR/CHF zu verhindern. Unserer Einschätzung nach gibt es insbesondere mit Blick auf die Inflationsprognose für 2023 weitere Aufwärtsrisiken.

Erste Banken passen Negativzinsen für Sparer nach SNB-Entscheid an

ie Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verringert auch den Druck auf die Sparerinnen und Sparer etwas. Am Donnerstag haben bereits mehrere Banken bestätigt, dass sie Negativzinsen und Guthabengebühren in der Folge des Entscheids anpassen werden.

Bereits wenige Stunden nach der SNB-Bekanntgabe, den Leitzins auf -0,25 Prozent von bisher -0,75 Prozent anzuheben, preschte die Berner Kantonalbank (BEKB) vor: Das Berner Staatsinstitut werde den von Negativzinsen betroffenen Kundinnen und Kunden den Zinsschritt ab dem (morgigen) Freitag unmittelbar weitergeben. Negativzinsen würden derweil weiterhin individuell erhoben und orientierten sich an der jeweiligen Kundenbeziehung.

Weitere Banken folgen

Ebenfalls bereits ab Freitag wird die Zürcher Kantonalbank (ZKB) den Satz auf neu -0,25 Prozent von bisher -0,75 Prozent anpassen, wie ein ZKB-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP mitteilte. Die grösste Schweizer Kantonalbank gibt laut eigenen Angaben die Negativzinsen "differenziert" im Interbankenmarkt und an Kunden mit hohen Liquiditätsbeständen weiter.

Entlastung soll es auch für die Raiffeisenkunden geben: Raiffeisen Schweiz empfiehlt den Instituten Guthabengebühren und Negativzinsen per 1. Juli 2022 neu bei -0,25 Prozent statt -0,75 Prozent festzulegen, wie eine Sprecherin erklärte. Raiffeisen empfiehlt weiterhin, Negativzinsen bei Privatkunden und Firmenkunden mit hohen Konto-Neugeldzuflüssen zu verrechnen. Allerdings seien die einzelnen Raiffeisenbanken frei in der Umsetzung, betonte die Sprecherin.

Ebenfalls auf den 1. Juli will die UBS reagieren. Die Grossbank werde dem Zinsschritt der SNB Rechnung tragen und die Franken-Guthabengebühren für Privatkunden als auch für Firmen- und institutionelle Kunden auf dieses Datum entsprechend anpassen, sagte ein Sprecher.

Geldmarkthypotheken weiter attraktiv

Einen unmittelbaren Einfluss des SNB-Entscheids auf den Hypothekarmarkt erwarten die Institute derzeit nicht. Steigende Leitzinsen seien schon vor dem Zinsentscheid weitgehend eingepreist gewesen, heisst es bei Raiffeisen: "Der Zinssatz für eine 10-jährige Festhypothek hat sich seit Jahresbeginn um fast 2 Prozentpunkte erhöht und liegt aktuell deutlich über 3 Prozent."

Am Hypothekarmarkt habe man in den vergangenen Wochen entsprechend einen Trend zu kürzeren Laufzeiten beobachten können, heisst es bei der ZKB. "Daran dürfte sich trotz dem SNB-Zinsentscheid wenig ändern."

Auch bei Raiffeisen beobachtet man eine Nachfrageverschiebung zur deutlich günstigeren Saron-Hypothek. Kundinnen und Kunden dürften in naher Zukunft mit Geldmarkthypotheken besser fahren, heisst es bei dem Institut. Erst wenn der Leitzins in den positiven Bereich drehe, dürften sich die Geldmarktfinanzierungen verteuern.

Zürich (awp)


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Bildquelle: Keystone,FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images

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