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Schwache Umsatzzahlen 01.04.2023 22:33:00

Wasserstoffaktie Ballard Power in der Krise: Analysten werden zunehmend pessimistischer

Wasserstoffaktie Ballard Power in der Krise: Analysten werden zunehmend pessimistischer

Seit dem Ende des letzten Hypes rund um Wasserstoffaktien Anfang 2021 wurde es wieder ruhiger um NEL ASA, Plug Power & Co. Die Umsatzerwartungen haben sich wieder merklich abgekühlt, Analysten passten ihre Wachstumsprognosen für den Sektor nach unten an. Besonders bei Ballard Power liegt jedoch Einiges im Argen, die Aktie befindet sich seit Monaten auf Talfahrt. Wie könnte es jetzt weitergehen?

• Ballard Power enttäuschte Anleger im vierten Quartal mit schwachem Umsatz
• Analysten werden zusehends skeptischer - und sehen kein Kurspotenzial
• Wachstumshoffnungen von Ballard Power in China haben sich bislang nicht erfüllt

Das kanadische Unternehmen Ballard Power, dessen Aktien an der US-Technologiebörse NASDAQ notiert sind, gilt als einer der führenden Hersteller von Brennstoffzellen, mit deren Hilfe Fahrzeuge wie Busse, Lkws und Pkws per Wasserstoff fahren können. Klingt erst einmal nach viel Wachstum - doch die Realität sieht bei Ballard Power zumindest aktuell anders aus.

Ballard Power enttäuscht mit Umsatzentwicklung

Die Erwartungen an die jüngste Zahlenvorlage von Ballard Power waren keineswegs allzu hoch: Analysten waren fest davon ausgegangen, dass das kanadische Unternehmen weiterhin rote Zahlen schreiben wird. So kam es dann auch: Für das vierte Quartal 2022 vermeldete Ballard Power Verluste in Höhe von 15 Cent je Aktie (insgesamt 34,4 Millionen US-Dollar), Analysten hatten hier mit einem leicht besseren Ergebnis von -14 Cent je Aktie gerechnet. Während das operative Ergebnis somit mehr oder weniger den Prognosen entsprach, enttäuschte der Umsatz von Ballard Power jedoch auf ganzer Linie. Die Analysten hatten mit einem Umsatzrückgang auf 25,3 Millionen US-Dollar gerechnet - tatsächlich gingen die Einnahmen aber sogar auf nur noch 20,5 Millionen US-Dollar zurück, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum satte Einbussen in Höhe von 44 Prozent bedeutete.

Analysten korrigieren Bewertungen für das Unternehmen nach unten

Neben den Anlegern, die die Aktie gen Süden schickten, reagierten auch die Analysten postwendend auf die schwache Ergebnisvorlage und veröffentlichten deutlich pessimistischere Prognosen. So rechnen die 22 Analysten, welche die Lage bei Ballard Power regelmässig untersuchen, laut "Simply Wall St" für das gesamte Geschäftsjahr 2023 im Durchschnitt nur noch mit einem Umsatz von 102 Millionen US-Dollar, womit sie ihre vorherige Schätzung von 117 Millionen US-Dollar deutlich nach unten korrigierten. Immerhin würden 102 Millionen US-Dollar Umsatz jedoch noch eine Steigerung von 22 Prozent im Vergleich zum 2022er-Umsatz von 83,8 Millionen US-Dollar bedeuten. Die Analystenerwartungen hinsichtlich des operativen Geschäfts blieben indes unverändert bei minus 0,51 US-Dollar je Aktie, was immerhin gleichbedeutend mit einer leichter Einschränkung der Einbussen gegenüber 2022 (Verlust von 0,58 Cent je Aktie) wäre.

Wachstumshoffnungen in China bislang unerfüllt

Das Problem von Ballard Power liegt darin, dass es derzeit an effektiven Strategien mangelt, ein starkes Wachstum zu erreichen. Zwar verfügt das kanadische Unternehmen über einige interessante Partnerschaften - wie beispielsweise mit der chinesischen Motorenfirma Weichai Power -, jedoch konnten sich Wachstumsfantasien in den vergangenen Jahren nicht entsprechend realisieren. So hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, durch den Verkauf von Wasserstoff-Bussen in China hohe Einnahmen zu generieren. Der Absatz der Ballard-Busse auf dem chinesischen Markt ist sehr gering, wie Ballard Power-CEO Randy MacEwen in einem Statement auf der Ballard Power-Website im Rahmen der Ergebnisvorlage auch offen zugab: "Was die Einnahmen betrifft, so sind wir weiterhin enttäuscht über die verzögerte Einführung auf dem chinesischen Markt und die geringen Aktivitäten im Weichai-Ballard Joint Venture, die unsere Ergebnisse für das Jahr 2022 belastet haben". Dennoch blieb MacEwen optimistisch: "2022 war ein wichtiges Jahr für Ballard, in dem wir wichtige Kundenplattformen in den Bereichen Bus, Lkw, Bahn und Schifffahrt gewinnen konnten, sowie erste Erfolge bei ausgewählten stationären Stromversorgungsanwendungen. Diese Dynamik unterstützt die von uns geplante Umstellung des Geschäftsmodells von Ballard auf eine stärkere Fokussierung auf wachsende Umsätze bei Power Products und einen geringeren relativen Beitrag von Technology Solutions."

So schlimm steht es um die Ballard Power-Aktie

Die Aktionäre scheinen die Zuversicht des CEOs jedoch nicht zu teilen: Die Ballard Power-Aktien mussten in den letzten gut zwei Jahren nämlich enorme Verluste verkraften. Während des Green-Tech-Hypes im Januar 2021 notierten die Anteilsscheine bei einem Stückpreis von knapp 40 US-Dollar noch auf einem Mehrjahreshoch, seitdem ging es aber rapide bergab. Inzwischen kosten die Ballard Power-Papiere nur noch einen Bruchteil dessen bei einem aktuellen Aktienpreis von 5,57 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 31. März 2023). Die schwache Börsenentwicklung betrifft auch viele andere Unternehmen aus der Wasserstoffbranche. Allerdings konnten sich einige Aktien wie die von NEL ASA oder Plug Power etwas besser halten als die Papiere von Ballard Power.

Ist die Ballard Power-Aktie jetzt ein Schnäppchen?

Die prekäre Situation von Ballard Power wird auch dadurch verdeutlicht, dass Analysten die Ballard Power-Aktie trotz der Talfahrt keineswegs als Schnäppchen ansehen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 5,30 US-Dollar - die Analysten sehen folglich auf Zwölfmonatssicht kein Kurspotenzial. Tatsächlich wirkt die Marktkapitalisierung von Ballard Power, die bei ungefähr 1,5 Milliarden US-Dollar liegt, durchaus ambitioniert für ein Unternehmen, das wohl auch in den kommenden Jahren keine Gewinne erzielen wird - zumal im Zuge der angestiegenen Zinsen die Opportunitätskosten von Investments in wachstumsorientierte Unternehmen in den letzten Monaten stark erhöht wurden. Ob - und wenn ja, wann - die Ballard Power-Papiere an ihren damaligen Höhenflug wieder anknüpfen werden, ist somit aus heutiger Perspektive höchst ungewiss.

Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: Pavel Kapysh / Shutterstock.com,petrmalinak / Shutterstock.com