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Schwieriges Börsenumfeld 22.06.2022 22:42:00

BlackRock rät Anlegern zu "defensivem Twist" im Depot

BlackRock rät Anlegern zu

Zins-, Inflations- und Rezessionssorgen treiben Anleger derzeit um und sorgen für ein düsteres Sentiment an den Finanzmärkten. Auch ETF-Anleger schauen mit Sorge auf die aktuell schwierige Gemengelage.

• Märkte zwischen Inflation und Rezession
• BlackRock rät zu Fonds mit Fokus auf kurzfristigere festverzinsliche Wertpapiere
• Höhere Preise bei Festverszinslichen erwartet

Für Anleger von Exchange Traded Funds (ETFs) waren die letzten Monate eine Achterbahnfahrt. Die Märkte zeigten sich stark schwankend, tendenziell geht es seit Jahresbeginn aber teils so deutlich abwärts, dass wichtige Indizes bereits Bärenmarktterritorium betreten haben. Das bekommen auch ETF-Anleger zu spüren, denn an der Börse gehandelte Indexfonds bilden Marktbarometer wie den S&P 500 oder den DAX 1:1 ab. Geht es am breiten Gesamtmarkt abwärts, geht es auch für die als weniger risikoreich eingestuften ETF-Anlagen nach unten. Doch es gibt ETF-Produkte, die auch im aktuellen Marktumfeld einen Blick wert sind, glaubt Gargi Chaudhuri, Leiterin der iShares-Anlagestrategie beim Fondsriesen BlackRock.

Defensiver Twist im Portfolio

Im Telefoninterview mit MarketWatch betonte die Expertin, BlackRock bevorzuge derzeit Fonds, die sich auf kurzfristigere festverzinsliche Wertpapiere konzentrieren, sowie Aktien-ETFs, die in "Qualitätsunternehmen mit starken Bilanzen und Preissetzungsmacht" investieren. Anleger würden besser mit einer sich verlangsamenden Wirtschaft klarkommen, wenn sie "ein bisschen von diesem defensiven Twist in ihrem Portfolio" hätten. Zudem rät sie Investoren, sich für "minimale Volatilität" zu entscheiden.

Höhere Preise bei Festverszinslichen erwartet

Die Märkte haben in den vergangenen Wochen angesichts steigender Inflation und insbesondere der Sorge um eine deutlich straffere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve kräftig verloren. Für gerechtfertigt hält Chaudhuri dies aber nicht: "Letztendlich denke ich, dass die Fed in ihrem politischen Kurs eine weniger aggressive Haltung einnehmen wird als das, was derzeit im Markt eingepreist ist", sagte Chaudhuri im Telefoninterview. "Wenn das passiert", sagte sie, "werden die Front-End-Zinsen wahrscheinlich sinken." Das sollte zu höheren Preisen für kurzfristigere festverzinsliche Wertpapiere führen, was den Inhabern der Schuldtitel zugutekäme, insbesondere wenn man sich die einjährigen bis dreijährigen Anleihen ansehe, so die Expertin weiter.

Fed macht den grossen Zinsschritt

Tatsächlich hat die US-Notenbank am vergangenen Mittwoch aber einen grossen Zinsschritt gewagt und den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Am Markt war ein solcher Schritt bereits befürchtet worden, teilweise hatten Experten sogar damit gerechnet, dass der Zinsschritt der Währungshüter noch grösser ausfallen könnte. Fed-Chef Jerome Powell betonte im Rahmen der Zinsanpassung, dass ein so hoher Zinsschritt "natürlich ungewöhnlich" sei, deutete aber an, dass man auch Ende Juli nochmals eine Leitzinserhöhung um 0,5 oder 0,75 Prozentpunkte in Betracht ziehe.

Obwohl es im Vorfeld schien, als wäre der Zinsschritt bereits eingepreist, reagierten die Aktienmärkte verzögert mit teils massiven Verlusten. So büsste der DAX am Tag nach dem Fed-Entscheid mehr als drei Prozent ein, für den US-Leitindex Dow Jones ging es um 2,4 Prozent abwärts, während der Techwerteindex NASDAQ Composite satte vier Prozent verlor.

Chaudhuri rät Anlegern aber, das vordere Ende der Zinskurve im Auge zu behalten, "wenn die Fed mit der quantitativen Straffung beginnt." Im Rahmen der quantitativen Straffung wollen die US-Währungshüter den Umfang ihrer Bilanz reduzieren, indem sie gehaltene Anleihen bei Fälligkeit auslaufen lassen. In den nächsten zwölf Monaten sollen die Bestände an Staatsanleihen um rund 700 Millionen Dollar reduziert werden. "Diese Staatsanleihen müssen ein anderes Zuhause finden, und der daraus resultierende Angebotsdruck sollte die Renditen in die Höhe treiben", so die Expertin in einer Anlegernotiz, aus der MarketWatch zitiert.

Redaktion finanzen.ch


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